Von Milos nach Malta - Leben auf der schiefen Ebene...

Kalkara Creek, Malta

37° 8' 36" N, 24° 30' 54" E

Markus

Nachdem wir bereits letzten Donnerstag (23.08.) im Grand Harbour von Malta angekommen sind wird's nun endlich Zeit für ein deutsches Update an alle, die es interessiert. Wir sind am 17. August gegen Mittag von Milos aufgebrochen, nachdem wir ein paar sehr schöne Tage in den Zykladen verbracht hatten (Kithnos, Serifos, Sifnos, Kimolos und Milos). Die Welt war auch dort klein: In Milos hatten wir 100m entfernt von Avensa geankert, deren Crew, Anka und Gerald, 25 Jahre lang am Kasseler Staatstheater gearbeitet hatten (meine Heimatstadt).

Wir hatten gehofft, unter günstigen Bedingungen in ca. 5 Tagen in Malta anzukommen, aber der Wind wollte die ersten Tage nicht ganz mitspielen und so sind es dann doch 6 Tage geworden. Bis zur Strasse von Kithera konnten wir die ersten 24 Stunden eng am Wind noch guten Kurs machen und sind lediglich von der noch etwas rauhen See durchgeschüttelt worden. Nachdem wir dann Kithera passiert hatten und wieder im Ionischen Meer waren, gab's den Wind direkt auf die Nase, so dass die nächsten zwei Tage mühsames Gegenankreuzen anstand - Leben auf der schiefen Ebene bei immer noch recht bewegter See, mit 2 Reffs im Main und halbeingerollter Genoa... Am zweiten Tag haben wir dann schliesslich von Genoa auf unser Staysail gewechselt. Das hat der Geschwindigkeit nicht merklich geschadet, aber das Boot ein gutes Stück ruhiger gemacht, so dass die "Off-watch" jetzt auch vernünftig schlafen konnte. Damit war der Fortschritt Richtung Malta zwar immer noch langsam, aber dafür bequem. Nicky hat das Ganze nur wenig beeindruckt - er kann wahrscheinlich auch ungestört mit seinem Lego spielen, wenn das Boot auf dem Kopf steht. In der insgesamt dritten Nacht hat dann schliesslich der Wind gedreht und wir konnten endlich "geradeaus" Richtung Malta segeln. So ist es dann im Wesentlichen auch geblieben - lediglich als der Wind von "Close Reach" auf "Beam Reach" schwenkte wurden wir nochmal für 1 1/2 Tage etwas hin- und hergerollt. Am Ende hatten wir mit unserer etwas langsamer als geplanten ýberfahrt sogar noch Glück gehabt, da wir dadurch einen Gale in der Nähe von Malta verpasst haben, der sich am Abend vor unserer Ankunft zwischen einem Tief über Lybien und einem Hoch über Süditalien ausgeblasen hatte, so dass wir am nächsten Morgen lediglich noch die Dünung mitbekamen.

Am 23. August gegen 3 Uhr morgens haben wir dann endlich den Lichtschein von Malta am Horizont gesehen. Die Einfahrt in den Grand Harbour von Valetta sechs Stunden später war unverändert beeindruckend zwischen den gigantischen Festungsanlagen. Nachdem wir beim Zoll einklariert hatten, haben wir uns zunächst 4 Nächte in der Grand Harbour Marina vor Vittoriosa gegönnt, wo auch Nana's Mutter zu uns gestossen ist. Von dort aus haben wir die Feierlichkeiten zum Fest von ?Santu Duminku" verfolgt - ein scheinbar ausgesprochen fröhlicher Heiliger, der Feuerwerk und Kanonendonner über alles liebt.

Inzwischen haben wir um die Ecke im Kalkara Creek vor einer kleinen Bootswerft festgemacht, wo wir über die nächsten Tage unsere To-do Liste für Namani weiter verkürzen wollen. Die Werft ist ein ausgesprochen sympatischer Familenbetrieb mit vier Brüdern und einer Schwester. Langsam lernen wir auch, die Brüder auseinanderzuhalten, was die Kommunikation etwas vereinfacht...

Nach aktueller Planung werden wir noch bis ca. Mitte nächster Woche in Malta sein, um Trittstufen am Mast und eine Schiene für einen Sturmsegel montieren zu lassen (wider Erwarten muss dafür doch der Mast demontiert werden). Je nach Wetter und Wind geht's danach voraussichtlich zunächst weiter nach Tunis und dann mit kurzem Zwischenstopp auf Sardinien nach Menorca.

Die ýberfahrt von Milos nach Malte war mit knapp 640 Seemeilen unsere bisher längste, mit einigen sehr nützlichen Lektionen. Allen voran sicher, dass sich Namani wieder als ausgesprochen seetüchtig erwiesen hat. Auch, wie wichtig es bei nur zwei ?Wachgängern" ist, während der Ruhepausen tatsächlich schlafen zu können - im Zweifelsfall also Geschwindigkeit reduzieren, um damit dass Boot etwas ruhiger zu bekommen. Schliesslich haben wir auch gemerkt, dass wir ausser dem Motor andere Optionen brauchen, um unsere Batterien auf Spannung zu halten. Bei starker Krängung ist die Dieselkühlung grenzwertig, da sich im Salzwasserfilter eine Luftblase bildet. Ausserdem soll längerer Leerlauf ohne Last schlecht für den Diesel sein (?). Jedenfalls haben wir jetzt unseren kombinierten Wind- und Schleppgenerator re-aktiviert, um ihn auf der nächsten ýberfahrt zu testen.

Last but not least hatten wir zwischenzeitlich interessanten Funkverkehr. Nana hat dabei sogar mit einem amerikanischen Flugzeugträger gesprochen. Der hatte zuvor eine Sicherheitsmeldung ausgesendet, da er wegen Nachtflugbetrieb Regel-unkonform beleuchtet war und wir mussten ihn bitten, seine Position nochmal zu wiederholen. ýberzeugend war auch die Sicherheitsmeldung eines anderen US-Navy Schiffes: "I will be conducting live ammunition gunnery exercises - please stay well clear". Zum Glück waren wir recht weit von deren Position entfernt...

Nächster Update irgendwo aus dem westlichen Mittelmeer (Tunis?) - stay tuned...

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Greetings from Florida! While in Ireland last week, we saw Eimear and learned of your incredible adventure. Wow! We are living on the ocean in Ft. Lauderdale, Fl. and have a 41' McGregor catamaran. Our boat is open, but we can sleep in the hulls. I'm so amazed with your trip, sailing skills and comofort at sea. Safe and fun sailing/adventuring. Bridget and Chris

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